Begutachtung von Straßenschäden mit Bilddatenbank und Künstlicher Intelligenz
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Augmented Reality. Unsere Welt ist voller technischer Werkzeuge, die unseren Alltag ganz selbstverständlich begleiten. Hochkomplexe Computerprogramme sind mittlerweile in der Lage, ganze Arbeitsprozesse neu zu definieren. Als moderne Verwaltung nutzt auch die Stadt Seesen Künstliche-Intelligenz-Systeme, um vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen. Ein Beispiel ist die digitale Erfassung des kommunalen Straßennetzes, für das ein Stuttgarter Technik-Unternehmen eine Lösung entwickelt hat.
Das System heißt „Vialytics“ und ist ein wenig mit der Fußgänger-Perspektive bei Googles App „Streetview“ vergleichbar. In einer riesigen Datenbank befinden sich Bilder des Seesener Straßennetzes. Aufgenommen wurden sie während einer Autofahrt in „normaler“ Geschwindigkeit, also innerorts bis zu 50 km/h. Dazu braucht es keine komplizierten Zusatzgeräte oder Kameras auf dem Dach. Ein Smartphone, das mit einem Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt ist, reicht vollkommen aus. Auch braucht es keine Extra-Touren – man kann es einfach einsetzen, wenn man ohnehin unterwegs ist.
Alle vier Meter knipst das Smartphone ein neues Foto. Bei einem Tempo von 50 km/h muss die Kamera 3,5 Bilder pro Sekunde verarbeiten. Trotzdem ist die Auflösung gut, Details sind klar erkennbar. Müssen sie auch sein, denn jetzt folgt der nächste Schritt. Die Daten werden an den Zentralrechner übermittelt und mit einer KI-basierten Software analysiert. Am Ende steht eine individuelle Bilddatenbank, in der Straßenzustand und weitere Informationen auf den Meter genau abgerufen werden können. KFZ-Kennzeichen und Passanten werden automatisch unkenntlich gemacht.
Vor allem Schäden in der Fahrbahn sind von Interesse für die Stadt. Schlaglöcher, Rissbildungen oder abgesackte Straßenränder – die Software kategorisiert das Problem und verteilt zudem eine Schulnote von 1 (alles in bester Ordnung) bis 5 (dringender Handlungsbedarf). Die gesammelten Daten stehen an jedem Computer mittels webbasierter Anwendung im Bauamt der Stadt zur Verfügung. Von dort können die Mitarbeiter die Sanierungs- und Reparaturarbeiten planen und in Auftrag geben. Vor-Ort-Termine? Das war einmal.