Industrietaucher in der Kläranlage - Wenn im Faulturm das Großreinemachen fällig ist
Als der Industrietaucher aus dem Wasser gezogen wird, spritzt Catharina Richter ihn zuerst einmal mit einem ordentlichen Schwung Frischwasser ab. Nahezu drei Stunden hat der Taucher im Faulturm auf der Kläranlage verbracht – in völliger Dunkelheit, 18 Metern Tiefe und bei einer Temperatur von etwa 37 Grad Celsius. Sein Auftrag: Die Wände und vor allem den Boden des Behälters von Sedimenten zu befreien, die sich dort abgesetzt haben.
Was sich für mach anderen abenteuerlich anhören mag, ist für Catharina Richter und ihr Team ein Traumjob. Als professionelle Industrietaucher ist ihr Einsatzgebiet unter Wasser – überwiegend in Kläranlagen. Dabei sind sie von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung eingehüllt – die Ausrüstung wiegt stolze 66 Kilogramm. Zur Sicherheit gibt es zahlreiche technische Hilfsmittel. So steht der Taucher beispielsweise in ständigem Funkkontakt mit seinen Teammitgliedern auf dem Dach des Turms und verfügt über Reservesysteme zur Atmung.
Catharina Richter ist nicht nur Juniorchefin des auf solche Einsätze spezialisierten Familienunternehmens aus Pinneberg bei Hamburg, sondern auch selbst ausgebildete Industrietaucherin. Eine von dreien in Deutschland und bundesweit die erste Frau, die in diesem nicht ganz alltäglichen Beruf sogar bald ihre Meisterausbildung abschließen wird.
In ihrem Beruf ist sie viel unterwegs. Das Unternehmen ist in ganz Deutschland und auch im näheren Ausland unterwegs. Kein Wunder, denn schließlich, so erklärt Marius Bertram, Betriebsleiter der Seesener Kläranlage, erfolgt die umfangreiche Reinigung des Faulturms nur etwa alle drei bis sechs Jahre. Trotzdem sind die Industrietaucher aus Pinneberg in Seesen gut bekannt. „Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr erfolgreich zusammen“, sagt Marius Bertram.
Die Sedimente, die aus dem Faulturm entfernt wurden, werden in einer Siebbandpresse mit einem Flockungshilfsmittel entwässert und im Anschluss zwischengelagert. Nach erfolgter Qualitätsprüfung kann er im darauffolgenden Jahr von regionalen Landwirten abgeholt werden. Auf den Äckern ausgebracht, fungiert er als hervorragendes und vollkommen natürliches Düngemittel.