Ein Zwerg besiegt den Riesen - Blutbuche im Steinway-Park muss wegen Pilzfäulnis gefällt werden
Mehr als 100 Jahre prägte die stattliche Blutbuche das Erscheinungsbild des Seesener Steinway Parks. Auf der Freifläche zwischen Eingangsbereich und Konzertmuschel stehend, ragten ihre Äste und Zweige über 25 Meter in die Höhe. Allein der Stamm hatte einen Umfang von mehr als dreieinhalb Metern. Ein majestätischer Baum. Ein Stück Stadtgeschichte.
Doch am Ende wurde der Riese von einem Zwerg besiegt. Ein aggressiver Pilz, filigraner als ein menschliches Haar, hatte sich in der Buche eingenistet und dem Baum so sehr zugesetzt, dass er gefällt werden musste.
Bevor die Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs die Säge ansetzten, schossen sie noch ein paar Erinnerungsbilder. Auch für sie gilt: Dieser Auftrag war kein Einsatz wie jeder andere. Und doch - Sicherheit geht vor. Das Gutachten eines zertifizierten Sachverständigen der Forstwirtschaft hatte eindeutig festgestellt, dass der Pilz so weit in den Stamm gewuchert ist, dass die Gefahr bestand, dass der Baum jederzeit hätte umfallen können.
Das gewaltige Krachen, mit dem der Bau in die Knie ging, muss weithin zu hören gewesen sein. Die große Freifläche um ihn herum und die schneebedeckte Wiese boten optimale Bedingungen, sodass der riesige Baum problemlos gefällt werden konnte und selbst die durch den Aufprall zu erwartenden Flurschäden sich in Grenzen hielten.
Am Boden liegend, der Stamm vom Stuken getrennt, ließ sich das Ausmaß der Fäulnis im Inneren des Baums gut erkennen. Der so genannte Brandkrustenpilz hatte sich tief in den Stamm eingegraben und dem Holz arg zugesetzt. In Teilen hatte er sich auf eine Höhe von bis zu neun Metern den Stamm emporgearbeitet. Eine Krankheit, von der sich die Buche nicht mehr erholen konnte.
Während einige Mitarbeiter des Bauhofs begannen, die Krone zu entasten, schoben ihre Kollegen die Äste und Zweige durch den Schredder. Dickere Äste und vor allem das Stammholz wurden mit einem Radlader fortgeschafft. Bei dem geernteten Holz wird jetzt überprüft, ob es sich für ein Sägewerk eignet oder nur als Brennholz zu verwerten ist.
Immerhin einen Trost gibt es für die Besucher des Steinway-Parks. Noch bevor die altehrwürdige Buche gefällt wurde, hatte der Bauhof an derselben Stelle bereits einen neuen Keimling gepflanzt. Dieser kann sich jetzt optimal entfalten und wird eines Tages hoffentlich ebenso majestätisch und prägend die Wiese am Eingang zum Steinway-Park verschönern.