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Filmische Biographie zum Leben des letzten deutschen Rabbiners setzt Schlusspunkt unter die Jüdischen Kulturtage 

Wer kann eine Geschichte besser erzählen als die Menschen die sie selbst erlebt haben? Das gilt –  nicht nur, aber in besonderem Maße – für die jüdischen Zeitzeugen der Schreckensherrschaft der NS-Diktatur und das Leben danach. Als Schlusspunkt der Jüdischen Kulturtage 2024 hatte die Stadt Seesen zu einer Filmdokumentation in den Bürgersaal des Jacobson-Hauses eingeladen. Gezeigt wurde die filmische Biographie über das Leben von „Leo Trepp, Deutschlands letzter Rabbiner“.

Das Biopic, das 2009 von Christian Walther für den Sender rbb produziert wurde, lief an diesem Tag in drei Vorstellungen. Morgens besuchten die 10. Klassen des Jacobson-Gymnasiums und der Oberschule Seesen die Veranstaltung, die Vorstellung am späten Nachmittag war für alle Gäste offen. Im Anschluss an den 45-minütigen Film hatten die Besucher die Gelegenheit, mit der Witwe des 2010 verstorbenen Rabbiners, Gunda Trepp, sowie mit dem Autor des Films zu sprechen.

Bild vergrößern: Projektmanagerin Catharina Schubert begrüßt Schülergruppe (2)
Projektmanagerin Catharina Schubert begrüßt Schülergruppe (2)

Leo Trepp wurde 1913 in Mainz geboren und 1936 – also bereits nach der Machtergreifung Adolf Hitlers – in Oldenburg ordiniert. Lang konnte der Rabbiner sein Amt nicht ausüben. Nur zwei Jahre später wurde er von den Nazis ins KZ Sachsenhausen deportiert, konnte aber durch den Einsatz eines englischen Rabbiners Deutschland verlassen und wanderte in die USA aus. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 2010, besuchte aber regelmäßig Deutschland um Vorlesungen für Studierende zu halten.

Bild vergrößern: Moderatorin Catharina Schubert mit Gunda Trepp (r.)
Moderatorin Catharina Schubert mit Gunda Trepp (r.)

Gunda Trepp betonte, wie sehr es ihren verstorbenen Mann belastet habe, dass man ihn nicht nur als Juden in Deutschland verfolgt habe, sondern, dass man ihn auch als deutschen Staatsbürger ausgeschlossen habe. „Die Nazis haben ihm seine Heimat genommen, das hat ihn wirklich verbittert.“

Für die rund 150 Zehntklässler der beiden Schulen war der Film eine „Geschichtsstunde zum Anfassen“. Während der gesamten Dokumentation war die Konzentration auf die Leinwand gerichtet. Im Anschluss herrschte sichtliche Betroffenheit darüber, wie eine Demokratie in eine Schreckensherrschaft entgleisen konnte, der Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind.

Bild vergrößern: Filmautor Christian Walther
Filmautor Christian Walther

Folgt man dem Rat des Leo Trepp, ist es nicht ihre Aufgabe sich für die Geschichte schuldig zu fühlen. Es ist aber sehr wohl ihr Auftrag, zu verhindern, dass die Geschichte sich jemals wiederholen kann.

Bild vergrößern: Gunda Trepp, Catharina Schubert, Jacobson-Gymnasium Schulleiter Stefan Bungert, Filmautor Christian Walther
Gunda Trepp, Catharina Schubert, Jacobson-Gymnasium Schulleiter Stefan Bungert, Filmautor Christian Walther

23.09.2024