Entschlossenes Handeln rettet Leben - Erste-Hilfe-Kenntnisse bei Stadtverwaltung vertieft
Diesen Tag wird Sylvia Birkner, Mitarbeiterin der Seesener Stadtverwaltung, bestimmt nicht so schnell vergessen. Sie ist im Steinway-Park mit ihrem Hund unterwegs, als plötzlich ein 69-jähriger Mann vor ihren Augen eine Herzattacke erleidet und bewusstlos zusammenbricht. „Er war sportlich gekleidet“, erinnert sie sich. Geistesgegenwärtig erkennt Sylvia Birkner die Situation und leistet sofort Erste Hilfe. Fest steht: Ohne ihren Einsatz wäre der Mann heute nicht mehr am Leben.
„Ich habe mein Handy aus der Tasche geholt und einfach die Notruftaste gedrückt“, berichtet die Ersthelferin. Ihr Anruf wird sofort an die Einsatzleitstelle weitergeleitet. Am Telefon beschreibt sie, wo sie sich befindet und was passiert ist.
„Drücken kann jeder!“
Es ist kein Puls zu fühlen und auch Atmung ist nur sporadisch vorhanden. Bis der Rettungswagen mit den Sanitätern an der Unfallstelle eintrifft, muss Sylvia Birkner Erste Hilfe leisten. Die Leitstelle sagt ihr genau, was zu tun ist. Und gibt das Motto vor: „Drücken kann jeder!“ Eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist nicht notwendig.
Mit beiden Handballen und durchgestreckten Armen muss die Helferin kräftig auf den Brustkorb drücken. Weil das Herz nicht mehr selbständig pumpt, kann der Blutkreislauf des Patienten nur durch solch externe Maßnahmen aufrechterhalten werden. Der Mitarbeiter der Leitstelle gibt den Rhythmus vor: „1… 2… 3… 4… 5… 6… 7… 8… und 1… 2…“ Etwa eine Viertelstunde lang, bis zum Eintreffen der professionellen Helfer, bemüht sich Sylvia Birkner, damit der Patient eine gute Chance zum Überleben hat. Ein Zweiter Helfer wartet auf der Straße und weist den Rettungswagen ein.
Anstrengend – aber man merkt es erst später
Ihre Maßnahmen zeigen offensichtlich Wirkung. Das macht Mut, also nicht nachlassen. 100 bis 120 mal pro Minute muss der Brustkorb etwa fünf Zentimeter nach unten gedrückt werden, damit die Herzdruckmassage wirksam ist und Schäden am Gehirn verhindert werden. Eine gewaltige Anstrengung – „die man in dem Augenblick aber gar nicht bemerkt“, wie Sylvia Birkner sagt. „Die Erschöpfung kommt erst hinterher.“
Nach einer gefühlten Ewigkeit – in Wahrheit aber nur wenigen Minuten – hört die Retterin das erlösende TatüTata des sich nähernden Rettungswagens. Gleich werden die Profis übernehmen. Unermüdlich, aber mit wachsender Erleichterung, setzt Sylvia Birkner die Wiederbelebung fort. Dann übernimmt der Rettungssanitäter und stellt fest, das Herz des Patienten schlägt wieder selbstständig. Er spricht Sylvia Birkner an: „Ihnen ist klar, dass Sie diesem Menschen gerade das Leben gerettet haben?!“ Weitere medizinische Maßnahmen sind auch durch den später eingetroffenen Notarzt erforderlich, um den Patienten für den Transport ins Krankenhaus zu stabilisieren.
Kenntnisse von Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Stadtverwaltung vertieft
Wohlauf sitzen der Patient und Sylvia Birkner eine Woche später glücklich und erleichtert gemeinsam am Kaffeetisch und freuen sich über seinen 2. Geburtstag und das Geschenk des Lebens. Es dauert ein paar Tage, bis die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung im vollem Umfang verarbeitet hat, was dort im Kurpark passiert ist. „In einer solchen Situation ist keine Zeit zum Nachdenken, man handelt einfach“, sagt sie. „Das wichtigste ist sofort den Notruf zu wählen!“
Dass sie überhaupt dazu in der Lage war, die lebensrettenden Maßnahmen anzuwenden, verdankt Sylvia Birkner einigen DRK-Lehrgängen, an denen sie teilgenommen hat. „Neben dem Erste-Hilfe-Kursus für den Führerschein habe ich noch zwei weitere Lehrgänge besucht, die durch die Stadtverwaltung Seesen – meinen Arbeitgeber – angeboten wurden. Neben einer Auffrischung in Erster Hilfe war zuletzt auch ein Kurs für den Automatischen Externen Defibrillator (AED) dabei.“
Keine Angst vor Fehlern – alles ist besser als nichts zu tun
Eine Heldin will sie aber trotz ihres lebensrettenden Einsatzes nicht genannt werden. „Ich habe einfach getan, was mir die Leitstelle sagte“, sagt sie. Und drücken könne wirklich jeder. Auch Angst vor Fehlern brauche niemand zu haben: „Alles ist besser als nichts zu tun.“
Seesens Bürgermeister Erik Homann zeigte sich beeindruckt von der vorbildlichen Zivilcourage seiner Rathauskollegin. „Der Vorfall hat gezeigt, wie unerwartet eine solche Notsituation eintreten kann. Aus diesem Grund bietet die Stadtverwaltung Seesen als Arbeitgeber von mehr als 270 Mitarbeitenden regelmäßig Erste-Hilfe-Schulungen für die Belegschaft an. Wie sinnvoll diese Maßnahmen sind, hat sich jetzt unter Beweis gestellt. Glücklicherweise mit einem guten Ende.“