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Erinnern, annähern, erneuern - Jüdische Kulturtage in Seesen

Jüdisches Leben in Deutschland ist eindrucksvoll, bedeutsam und facettenreich. Die „Jüdischen Kulturtage zwischen Harz und Heide“, initiiert vom Israel Jacobson Netzwerk (IJN), haben es sich zum Ziel gesetzt, das Judentum – seine Geschichte und seine Gegenwart – ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, Vorurteile abzubauen und den Austausch zwischen Juden und Nicht-Juden zu fördern. Seesen – ein geschichtsträchtiger Ort für das aufgeklärte Reform-Judentum – beteiligt sich zwischen August und September mit sechs ganz unterschiedlichen Veranstaltungen an dem Programm. 

Den Auftakt zur Veranstaltungsreihe am Dienstag, 20. August, macht Dr. Joachim Frassl, Kunst-historiker und Autor verschiedener Bücher zum sozialen Vermächtnis Israel Jacobsons, mit einer Lesung aus seinem Werk „Jacobsons Reformen in Schule und Tempel“. Darin untersucht er mit neuen Blickwinkeln die Anfänge eines reformerischen Judentums, das von Seesen ausging und in anderen Regionen der Welt zahlreiche Befürworter und Nachahmer fand. Die Lesung findet im Jacobson-Haus statt und beginnt um 19 Uhr.

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Modell Jacobson-Tempel

Eine Persönlichkeit, die die Grundgedanken des Pioniers und Gründers der Jacobson-Schule prägend fortsetzte, war Schuldirektor Immanuel Wohlwill. Sein Nachfahr, Prof. Dr. Matthias Brandis, hat sich intensiv mit seiner Familiengeschichte auseinandergesetzt und in Buchform veröffentlicht. 2020 erschienen, beschreibt „Meines Großvaters Geige“ die schicksalhaften Wendungen einer jüdischen Familiendynastie, die vor mehr als 200 Jahren in Seesen ihren Ursprung nahm. Am Montag, 26. August, um 19 Uhr liest Matthias Brandis im Jacobson-Haus Auszüge aus seiner Familienchronik.

Sondertermine für die historische Stadtführung „Jüdisches Seesen um 1910“

Auf Schusters Rappen der jüdischen Geschichte folgen können Interessierte bei der Stadtführung „Jüdisches Seesen um 1910“. Lehrerfigur Dr. Willly Mönch, im realen Leben Stephan Blöß, taucht tief ein in die Geschichte der Sehusa-Stadt und rückt – neben der allgemeinen Historie – die Anteile jüdischen Lebens in den Mittelpunkt seiner informativen und unterhaltsamen Zeitreise. Für die etwa 90 Minuten dauernden Führungen gibt es drei Termine: am Donnerstag, 29. August, um 19 Uhr und am Montag, 16. September, um 16 und 19 Uhr. Karten zum Preis von 12,50 Euro gibt es in der Geschäftsstelle des Stadtmarketing und Tourismus Seesen in der Jacobsonstraße 9. Kinder bis 12 Jahre, die von einem zahlenden Erwachsenen begleitet werden, nehmen gratis an der Führung teil.

Bild vergrößern: Planungstreffen Jüdische Kulturtage
Planungstreffen Jüdische Kulturtage

Der Berliner Autor, Publizist und Filmemacher Dr. Christian Walther ist bei den jüdischen Kulturtagen gleich zweimal vertreten. Zuerst liest er aus seinem Buch „Robert Gilbert - Ein Freund, ein guter Freund“. Die Biographie gibt Einblick in das Leben eines Schlagertexters, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere von den Nazis als Jude verfolgt wurde und ins Exil flüchtete. 1949 kehrte Gilbert aus Übersee zurück und lebte unter anderem in München und Zürich. Mehr zur Biographie Robert Gilberts am Dienstag, 17. September, um 19 Uhr im Jacobson-Haus in Seesen.

„Ein guter Freund“ und der „letzte Rabbiner“

Einen Tag später, am Mittwoch, 18. September, folgt sozusagen die logische Fortsetzung zum Leben und Wirken Robert Gilberts. Das Trio Heymann – rund um die Sängerin Helena Goldt – bringt seine Lieder auf die Bühne. Neben „Ein Freund, ein guter Freund“ gibt es weitere Klassiker aus seiner Feder, die von Komponist Werner Richard Heymann vertont wurden. Die Filmmusiken der UFA-Zeit und weitere Klassiker gibt es auf der Bühne im Jacobson-Haus zu hören. Die Eintrittskarten sind zu einem Preis von 20 Euro für Erwachsene, sowie 7,50 Euro für Schüler und Studenten unter reservix.de erhältlich oder im Kulturbüro Seesen.

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Programm Jüdische Kulturtage

Am Donnerstag, 19. September, setzt Christian Walther den nächsten – und letzten – Programmpunkt bei den jüdischen Kulturtagen. Im Jacobson-Haus wird um 17 Uhr die Film-Reportage „Leo Trepp – Der letzte Rabbiner“ zu sehen sein. Die Reportage zeichnet das Leben des letzten noch lebenden Rabbiners aus Deutschland vor dem Holocaust nach. Eine wichtige Botschaft des Rabbiners an die Generation nach `45: „Verantwortung zu übernehmen ist wichtiger als Schuld einzugestehen.“

Mit Ausnahme des Konzerts des Trio Heymann und den Stadtführungen sind alle Veranstaltungen kostenfrei. Allerdings werden Interessierte um vorherige Anmeldung gebeten. Diese kann telefonisch unter 05381-75 290 oder per E-Mail an schubert@seesen.de erfolgen. Die „Jüdischen Kulturtage zwischen Harz und Heide“ finden bereits zum 5. Mal statt. Hauptgastgeber ist in diesem Jahr die Stadt Celle. Seesen ist aufgrund seiner großen jüdischen Vergangenheit von Beginn an ein wichtiger Baustein der Event-Reihe.

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Dr. Joachim Frassl
08.08.2024