Neue Ausstellung: Das kommt in die Tüte!
Plastiktüten als Zeugnisse der lokalen Alltags- und Konsumkultur / Mitmach- und Sammelausstellung im Städtischen Museum: Schwarmwissen gefordert / Eröffnung am 24. März
Das Städtische Museum Seesen zeigt ab dem 24. März eine neue Sonderausstellung. Unter dem Titel „Tüten, Taschen und andere Seesener Werbeträger“ werden Exponate zur lokalen Wirtschaftsgeschichte der Harzstadt präsentiert. Im Fokus stehen besonders solche Werbemittel, die zugleich eine doppelsinnige „Tragefunktion“ erfüllen: Tüten und Taschen, vornehmlich aus Plastik.
Plastiktüten sind ein gleichermaßen unterschätztes wie doch auch bedeutsames Zeugnis der Alltagskultur. Seit den 1960er Jahren haben sie sich als Massenmedium im mehrfachen Sinne durchgesetzt: zum einen in ihrer massenhaften Verbreitung und fast täglichen Nutzung als praktische, verlust- und bruchsichere Transportlösung für Waren und andere Gegenstände. Zum anderen als Werbeträger von herstellenden und vertreibenden Firmen, Handelshäusern und Einzelhandelsgeschäften. Sie bewerben die Unternehmen als Marke selbst, bestimmte Produkte oder beispielsweise Kundenfreundlichkeit und Warenvielfalt.
Seit rund 60 Jahren haben sie nach und nach an Popularität gewonnen, sei es als „Hemdchen“-Tragetasche, als mit extra Griffen versetzte Reiterband-Tasche oder als das bis heute gebräuchlichste Modell „DKT“ mit integrierten und verstärkten Griffen. Die Abkürzung steht übrigens für die „Doppel-Kraft-Tasche“. In den vergangenen Jahren steht die Plastiktüte nun als Symbol für die Verschmutzung der Umwelt zunehmend im Fokus von Verbotsbemühungen. Europaweit sind bereits die mittleren Materialstärken vom Markt genommen. Weitere Verbote werden folgen, so dass die Plastiktüte mittelfristig selbst zu einer Episode der Geschichte werden wird.
Anlass genug für das Städtische Museum, sich mit dem Objekt „Plastiktüte“ als museales Sammelgut zu beschäftigen. Zumal, wenn es zugleich als aussagekräftiges Medium der lokalen Konsumgeschichte dienen kann. Die Ausstellung ist deshalb auch als Mitmach- und Sammelausstellung konzipiert. Dazu Museumsleiter Dirk Stroschein: „Wir zeigen eine Auswahl aus unserer bisher zusammengetragenen Sammlung, - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.“ Man wolle die Besucherinnen und Besucher zugleich dazu anregen, dem Museum die in Privathaushalten möglicherweise noch vorhandenen Plastiktüten zur Erweiterung der Sammlung zu überlassen. Zudem sollen Hintergründe und Geschichten aus der Seesener Geschäftswelt dokumentiert werden. „Wir setzen hier auf das Schwarmwissen der Bevölkerung“, so Dirk Stroschein. „Im Idealfall können wir somit unser Archiv als Gedächtnis der Stadt mit vielen Informationen auffüllen und ergänzen.“ Er sei überzeugt, dass jede und jeder etwas zu dem Thema beitragen könne. In besonderer Weise sei natürlich auch an die ehemaligen Inhaber oder Nachkommen der Seesener Geschäftsbetreiber appelliert, Plastiktüten und Verpackungen, aber auch Dokumente, Fotos, Objekte und Informationen zur Chronik der Seesener Geschäftswelt zur Verfügung zu stellen.
Das Städtische Museum lädt alle Interessierten am Sonntagnachmittag, 24. März, um 15 Uhr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ein. Weitere Begleitveranstaltungen sind geplant und werden kurzfristig angekündigt.
Kontakt und weitere Informationen sind erhältlich unter Telefon: 05381-48891 oder per Email: museum@seesen.de
Das Städtische Museum Seesen hat geöffnet dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Spende erwünscht.