Zeitloses Meisterwerk muss einmal pro Woche aufgezogen werden
Einmal pro Woche macht sich Melanie Mötefindt, Mitarbeiterin der Seesener Stadtverwaltung, auf den Weg zum Vititurm am Schulplatz. Sie bückt sich unter der Eingangstür hindurch und steigt die alte Holztreppe empor. Dort öffnet sie die Türen eines alten Glasschranks und greift zur Kurbel. Ihr Auftrag: Das Räderwerk der Weule-Uhr aus dem Jahr 1919 aufziehen, damit die Zifferblätter am Turm die korrekte Zeit anzeigen.
Die lange Kurbel sorgt für eine gute Hebelwirkung. Trotzdem ist das Aufziehen der Mechanik sichtbar anstrengend. Nach vielen Umdrehungen ist so genügend Energie auf den Spannzug aufgeladen, dass die Zeiger zuversichtlich weiterticken.
Bis vor etwa einem Jahr hat ein Anwohner diesen Dienst ehrenamtlich verrichtet. Als dieser sich an die Stadtverwaltung wandte, weil er den Job aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen konnte, nahm sich der Fachbereich Bau dieser Aufgabe an. Neben dem Aufziehen des Uhrwerks gibt es auch einige Extra-Termine im Jahresverlauf.
Zum einen, wenn die Wartung durch einen professionellen Uhrmacher an der Reihe ist. Zum anderen, wenn im Frühjahr und Winter die Uhrzeit eine Stunde vor- beziehungsweise zurückgestellt werden muss.