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Von Zahnbürste bis Versandbox: Seesener Schüler präsentieren Gründungsideen

Bild vergrößern: Auf dem Bild sind die Schüler des Seminarfaches gemeinsam mit den Mitgliedern des Wirtschaftskreises sowie Bürgermeister Erik Homann und Professor Reza Asghari vom Entrepreneurshiphub der Ostfalia Hochschul zu sehen.
Die Teilnehmer auf einen Blick.

Gekicher, ein letztes Durchgehen der Moderationskarten, noch kurz eine Änderung an der Präsentation: Aufregung lag am Donnerstagnachmittag in der Luft der Aula in Seesen, während 15 Schüler des Jacobson-Gymnasiums ihren Präsentationen den letzten Schliff verliehen. In Dreiergruppen präsentierten sie ihre Gründungsideen einer Jury, bestehend aus Mitgliedern des Wirtschaftskreises in Seesen sowie Prof. Reza Asghari und Samir Roshandel vom Entrepreneurship Hub der Ostfalia Hochschule. Ein Jahr lang haben die Teilnehmer des Seminarfaches „Gründungsideen“ gemeinsam mit Lehrer René Kürbitz und Samir Roshandel an ihren Innovationen gefeilt, ihre eigenen Ideen für ein StartUp detailliert entwickelt und schließlich in einer Facharbeit verschriftlicht. Entstanden ist die Kooperation mit dem Jacobson-Gymnasium im Rahmen des Entrepreneurshipprogramms der Stadt Seesen.

Für die Teilnehmer des Seminarfaches folgte am Donnerstag also die Kür, der sogenannte „Pitch“ (aus dem Englischen von „to pitch“ = etwas übermäßig anpreisen) vor einem Publikum, das sich bestens mit Unternehmensgründungen auskennt: Max Richter, Pascal Herrewyn, Jürgen Nitsche, Carsten Aßmann – sie alle sind Seesener Unternehmer, die ihre Ideen in die Tat umgesetzt haben. Neben den Unternehmern verfolgten auch Schulleiter Stefan Bungert sowie Seesens Bürgermeister Erik Homann die Präsentationen mit großem Interesse: „Aus den Ideen kann sehr viel entstehen, wir haben großes Potential in unserer Stadt und versuchen hier ein richtiges StartUp-Ökosystem aufzubauen“, motivierte Homann. Viel Unterstützung erfahren die Unternehmer von morgen dabei aus den Reihen des Wirtschaftskreises, allen voran von Pascal Herrewyn und der Unternehmergesellschaft „Die Schatzkiste“, die die Veranstaltung mit insgesamt 2.000 Euro unterstützte – darunter Preisgelder für die besten Präsentationen.

Mit Kreativität zur Gründungsidee

Auch Prof. Asghari lobte das Engagement der Schule und der Stadt insgesamt. „Seesen ist in Niedersachsen Vorreiter in Sachen Entrepreneurship im ländlichen Raum

Bild vergrößern: Die Jury während der Beratung.
Die Jury während der Beratung.

– und dazu haben wir auch noch ein innovatives Gymnasium“. Wie innovativ, zeigte sich während der sehr professionellen Präsentationen der Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs: Mit der Jobbörse-App „YourWork“ griffen Jannik Ebbighausen, Josephine Conrad und Tatjana Schröder ein spätestens während der Corona-Krise in den Fokus gerücktes Thema auf und verknüpften die Notwendigkeit der Unterstützung älterer Personen im Alltag mit einer schnellen Möglichkeit für Jugendliche, Geld zu verdienen. Ihre App könnte in Zukunft auch an Kommunen verkauft werden. Luna Hagemann, Jannis Lippke und Jolene Riedemann stellten ihre „Meerweg-Versandbox“ vor – eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Versandkartons, die aus recyceltem Meeresplastik hergestellt wird. Der Clou: In der faltbaren Box sorgen integrierte Trennwände für einen sicheren Transport, sodass weiteres Füllmaterial eingespart würde. 

Bianca Bockfeld und Rebecca König gingen mit ihrer Gründungsidee gleich zwei große Themen an, für die unsere Gesellschaft brennt: Tierrettung und Fettverbrennung. Diese auf den ersten Blick zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich erscheinende Themenkombination bündelten die Abiturientinnen in ihrer App „Animo Fitness“. Die Idee: Pro absolviertes Workout können die Nutzer Punkte sammeln, um dann ein virtuelles Tier zu pflegen. Der Erlös aus der App kommt zu großen Teilen dem Tierschutz zugute.

Gesellschaftlich relevante Themen angepackt

Generell zeichnete sich während der Präsentationen ein klarer Trend zum Spenden für einen sozialen Zweck ab. „Viele unserer Schülerinnen und Schüler machen sich Gedanken über umweltpolitische und gesellschaftliche Themen“, erklärt Schulleiter Stefan Bungert im Anschluss an die Präsentationen. Das spiegelte sich auch in den Pitches wider: Die entwickelte „Health Watch“ von Laurin Neubart, Anna Sophia Eine und Hoang Huynh kombiniert vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die Vorzüge einer Smart Watch mit gesundheitlichen Aspekten und bietet beispielsweise eine Risikofrüherkennung, die Warnung von Angehörigen und ein Tablettenfach im Armband der Uhr. Später sei auch eine Kooperation mit Krankenkassen geplant, um Gesundheitsdaten bequem direkt per Smart Watch zu übermitteln. Alle Gruppen präsentierten nicht nur ihre Idee, sondern führten auch eine Marktanalyse durch und stellten einen Finanzplan auf.

Das Thema Umwelt stellten Leonora Zimmermann Nadal Acar und Jan Maximilian Wünsche in den Fokus ihrer Gründungsidee: Sie planen die Entwicklung der weltweit wohl ersten elektrisch betriebenen Bambuszahnbürste. Ihre „Eco ED“ – so der Name der Zahnbürste – wird zum Großteil aus sehr nachhaltigem Bambus hergestellt. Den großen Gewinn wollen die drei aber nicht etwa mit dem Verkauf der elektrischen Zahnbürste einfahren, sondern mit einem Abonnement über die Bürstenaufsätze. Sehr clever, fanden auch die Mitglieder der Jury und krönten die Idee und Präsentation der Gruppe zur besten des Tages. Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro übergaben Samir Roshandel und Pascal Herrewyn: „Hier hat mich vor allem die Präsentation sehr überzeugt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Idee tatsächlich funktioniert.“ Den zweiten und dritten Platz belegten jeweils die „Meerweg-Versandbox“ sowie die App „YourWork“, dotiert mit einem Preisgeld von 200 und 100 Euro. Vor der Preisverleihung richtete Herrewyn das Wort an alle Schülerinnen und Schüler: „Heute sind Sie alle Gewinner, weil sich jeder hier mit dem Thema Entrepreneurship intensiv beschäftigt hat. Es geht darum, den Gründergeist in Ihren Köpfen zu verankern. Bewahren Sie sich diesen Gedanken und trauen Sie sich ruhig etwas zu.“