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Städtisches Museum startet »Corona-Zeitkapsel«-Projekt

Das Museum startet ein neues Projekt
Das Museum startet ein neues Projekt

Aufruf an Bevölkerung: Momentaufnahmen für das kollektive Stadtgedächtnis werden gesammelt

Die „Corona-Krise“ bestimmt dieser Tage das öffentliche wie auch persönliche Leben jeder und jedes Einzelnen in einer zuvor wohl nicht vorstellbaren Art und Weise. Das Besondere und die auch historisch bedeutsame Dimension der gegenwärtigen Lage macht nicht nur der Umfang sondern auch die Gleichzeitigkeit der Betroffenheit so vieler aus. Kurz gesagt: Wir alle befinden und empfinden uns in der vermeintlich selben Grundsituation.

Und doch ist jede und jeder ganz unterschiedlich betroffen, geht auch ganz unterschiedlich mit der Ausnahmesituation um und macht unterschiedliche Erfahrungen damit, wie sich der Alltag und das Berufs- oder Familienleben verändern und beeinflusst werden.  

Im Zeitkapsel-Projekt des Städtischen Museums geht es darum, eine möglichst große Vielfalt von jetzt gemachten Erfahrungen, Erlebnissen, Gedanken, Notizen, Tagebucheinträgen, Fotos, Audios, Videos sowie Objekte und andere Fundstücke der Seesenerinnen und Seesener in der Kernstadt und den Stadtteilen zu sammeln.

Im Gegensatz zu den digitalen Medien und der aktuellen Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen ist in diesem Erinnerungsprojekt aber nicht beabsichtigt, diese Erfahrungsberichte auch zeitnah zu teilen oder zu veröffentlichen. „Vielmehr“, so Museumsleiter Dirk Stroschein, „soll das in dieser unmittelbaren Situation entstandene Material für die Geschichtsbücher und Ausstellungen von morgen zusammengetragen und im Archiv, gleichsam in einer Zeitkapsel, aufbewahrt werden.“ Im Vordergrund stehe das Sammeln von Momentaufnahmen, die in ihrer formalen und inhaltlichen Vielfalt schließlich in ein gemeinsames Stadtgedächtnis eingehen sollen. Eine vielfältige Gemeinschaft benötigt vielfältige Erinnerung.

Dahinter steht auch die Frage und Überlegung, wie wir uns in einem Jahr, in fünf Jahren oder noch später an diese Zeit erinnern werden und erinnern wollen. Wie werden wir dann auf dieses „Corona-Jahr“ 2020 zurückschauen? Das hängt maßgeblich auch davon ab, welche Zeitzeugnisse erhalten sein werden. Was wird uns als prägend in Erinnerung geblieben sein? Welche Irrwege wurden beschritten, welche neuen Pfade haben sich eröffnet? Wie unterscheiden sich unsere unmittelbar gemachten Erfahrungen von den zukünftig getroffenen Einschätzungen im distanzierten Rückblick?

Gesammelt wird ohne Themenbeschränkungen und -vorgaben alles, was von den Einsendern als relevant betrachtet wird. Eine Bewertung, Gewichtung und Einordnung soll den zukünftigen Forschern, Autoren und Ausstellungsmachern vorbehalten bleiben. „Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Homeoffice, Kreatives gegen die Langeweile, Fotos von Aushangzetteln im öffentlichen Raum, täglichen Notizen und Gedanken“, zählt Dirk Stroschein beispielhaft auf. Welche Sorgen haben Selbstständige, die Beschäftigten im Gesundheitswesen, in der Pflege, jeder einzelne? Wie kommen Schülerinnen und Schüler, Lehrer mit der Lage klar? Welche Herausforderungen bestehen für Politiker und die lokalen Verwaltungen? Wie gehen wir mit den Alltagsbeschränkungen um? Wie hat sich unser Zeitempfinden verändert? Welche Lichtblicke, Chancen ergeben sich in und aus der Krise?

So wenig wie eine Themenbeschränkung gibt es eine Beschränkung der Teilnehmer. Im Gegenteil: Alle können beitragen! Je mehr, je vielfältiger die Gruppe der mitmachenden Seesenerinnen und Seesener, desto schärfer wird letztendlich das Mosaik von Momentaufnahmen unserer von Vielfalt geprägten, demokratischen Gesellschaft in Seesen für die Nachwelt gezeichnet werden können.

„Sie alle, die Seesenerinnen und Seesener, sind Zeugen dieser besonderen Zeit. Helfen Sie mit, das Städtische Archiv und Museum mit den historischen Quellen für morgen zu füllen!“, so der Appell des Museumsleiters an die Bevölkerung.

Das Projekt „Corona-Zeitkapsel“ des Städtischen Museums startet ab sofort und ist zeitlich zunächst nicht beschränkt. Mehrfach- und Folgeeinsendungen sowie Fortsetzungen über die kommenden Wochen und Monate sind also erlaubt und erwünscht.

Und so funktioniert's:

Eine Zusendung kann unter dem Stichwort „Corona-Zeitkapsel“ (bevorzugt als Anhang im PDF-Format oder Textformat .docx) erfolgen über die E-Mail-Adresse museum@seesen.de. Natürlich kann auch der klassische Postweg gewählt werden, dann an die Adresse Städtisches Museum c/o Stadt Seesen, Marktstraße 1, 38723 Seesen.

Den Einsendungen sollte immer der Name, die Adresse und weitere Kontaktmöglichkeiten (Telefon, E-Mail) beigefügt werden. Diese werden im Einklang mit den Datenschutzregelungen ausschließlich zum Zwecke einer Kontaktaufnahme im Zusammenhang mit dem Projekt gespeichert und verwendet werden. Außerdem sollte vom Einsender vermerkt werden, ob bei einer zukünftigen Verwendung und Veröffentlichung des Materials der Name genannt werden darf oder eine Anonymisierung bevorzugt wird. Mit der Einsendung wird versichert, dass keine Rechte Dritter verletzt werden.

Informationen sind erhältlich und Nachfragen möglich unter Städtisches Museum Seesen, Telefon: 05381-48891 und E-Mail: museum@seesen.de.