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Jacobson Schule
KURZBESCHREIBUNG
Die Jacobsonschule wird 1801 gegründet und gilt als eines der ersten Projekte, das die Lebenswelten von Jüd*innen mit Christ*innen im Geiste der Aufklärung zusammenbringt. Von Israel Jacobson gestiftet, entwickelt sie sich zu einer modernen Ausbildungsstätte und umfasst das ganze Spektrum von naturwissenschaftlicher, geisteswissenschaftlicher und religiöser Bildung. Im zweiten Jahr schon werden auch nichtjüdische Schüler aufgenommen. Das heutige Jacobson-Gymnasium geht direkt auf diese Gründung zurück.
Baugeschichte:
erbaut: 1801
erweitert: 1889
teilweise abgerissen: 1975
Eines der ersten Projekte, die Lebenswelten von Juden mit Christen im Geiste der Aufklärung zusammenzubringen, ist die 1801 gegründete Jacobsonschule. Israel Jacobson (geboren 1768 in Halberstadt, gestorben 1828 in Berlin) ist herzoglicher Kammeragent und Landrabbiner, ein von den jüdischen Gemeinden gewählter Landesvorstand, der auch im Auftrag des Landesherrn richterliche Aufgabe innerhalb der einzelnen Gemeinden wahrnimmt. Jacobson gilt als einer der ersten Vertreter und Vorkämpfer für ein liberales Judentum und macht die Region zwischen Harz und Heide zum Ausgangspunkt dieser Reformbewegung. Durch seine vielen Reisen in ländlichen Gegenden fällt ihm die mangelhafte Schulausbildung der Kinder auf und er stiftet in Seesen eine jüdische Freischule, die „Religions- und Industrieschule“. Schon bald nach der Gründung entwickelt sie sich zu einer modernen Ausbildungsstätte und umfasst das ganze Spektrum von naturwissenschaftlicher, geisteswissenschaftlicher und religiöser Bildung. Im zweiten Jahr schon werden auch nichtjüdische Schüler aufgenommen. Einer der ersten war Wilhelm Spohr, Sohn des Arztes Carl Heinrich Spohr. Gelebter jüdisch-christlicher Dialog, Toleranz und Humanismus sind die Grundideen dieser ersten jüdisch-christlichen Simultanschule jüdischer Gründung. Die Schule unterrichtet die Ortskinder, ist aber zusätzlich als Internat ausgelegt. Das Alumnatsgebäude (Wohnheim) ist erhalten. Am Eingang erinnert eine Stolperschwelle an die mehr als 260 ehemaligen jüdischen Schüler und Schülerinnen, die Opfer der Shoah wurden. Die schuleigene Synagoge, die Jacobson 1810 in Gedenken an seinen Vater im Schulhof errichtet, gilt als eine der ersten Reformsynagogen im Land.