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Verkehrsausschuss diskutiert über Schulwegsicherheit

Blick auf den Zebrastreifen.
Blick auf den Zebrastreifen.

Der Verkehrsausschuss der Stadt Seesen hat sich in seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag ausgiebig mit dem Thema Schulwegsicherheit an der Lautenthaler- und der Hochstraße befasst. Kurz vor der Sitzung trafen sich die Mitglieder an der Grundschule Jahnstraße, um sich die Situation vor Ort anzusehen. Konkret geht es um eine alte Kastanie, die an der Lautenthaler Straße steht und die Sicht auf den dortigen Zebrastreifen stark einschränkt. „Zwar gab es bisher keine Unfälle an dieser Stelle, aber die Kastanie verdeckt eindeutig die Beschilderung des Fußgängerüberwegs“, erklärt Lothar Niemann von der Polizei vor Ort. Er sitzt gemeinsam mit einigen Ratsmitgliedern und weiteren parteilosen Beratern und kooptierten Mitgliedern wie Markus Franke von der Verkehrswacht im Verkehrsausschuss.

Petra Borchert vom Ordnungsamt der Stadt Seesen erläuterte während der Sitzung die rechtliche Lage: „Ein Fußgängerüberweg unterliegt besonderen Richtlinien. Bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h muss der Bereich auf eine Entfernung von 50 Metern einsehbar sein. Sind 30 Stundenkilometer erlaubt, müssen Autofahrer den Zebrastreifen 30 Meter vorher überblicken können.“ Beides sei an der Kreuzung Lautenthaler Straße / Jahnstraße nicht der Fall. Bisher regelten hier noch zwei Schülerlotsen den Verkehr, inzwischen begleitet nur noch eine Verkehrshelferin die Schüler*innen auf ihrem Schulweg – zu wenig, wie die Mitglieder des Verkehrsausschusses beschlossen. „Der Schutz des Schulverkehrs hat hier Vorrang“, so Frank Hencken. Christiane Raczek ergänzte: „Ich war bisher für die Erhaltung des alten Baumes, aber die Argumente haben mich von der Fällung der Kastanie überzeugt.“ Der Verkehrsausschuss spricht sich dafür aus, die Kastanie zu fällen und dafür an anderer Stelle im Stadtgebiet einen neuen Baum zu pflanzen.

Auch im Bereich Hochstraße nehmen Eltern den Schulweg ihrer Kinder als unsicher wahr: Mitte Januar überreichten Vertreter des Elternrates Bürgermeister Erik Homann eine Petition. „Die Kreuzung Schützenallee – Hochstraße ist für die Kinder zu unübersichtlich und zu gefährlich!“ heißt es in dem Schriftstück. Die Eltern fordern daher die Einrichtung einer 30er Zone. Die Stadt reagierte auf die Sorgen der Eltern und führte im Vorfeld des Verkehrsausschusses Messungen und Beobachtungen durch. „In der Hochstraße dürfen Autofahrer 50 km/h fahren. Wir haben insgesamt 3 Tage das Verkehrsaufkommen unter der Woche gemessen und die Ergebnisse ausgewertet. Im Messbereich waren die Autos mit durchschnittlich 41 km/h unterwegs“, erklärte Uwe Zimmermann, Leiter des Fachbereichs Ordnung.

Auch 2017 habe die Stadt bereits Messungen durchgeführt – mit ähnlichen Ergebnissen. Lothar Niemann ergänzte: „Wir hatten in den letzten neun Jahren keine Unfälle an dieser Stelle. Wir müssen uns fragen, was sich mit einer Geschwindigkeitsreduzierung ändern würde. Zusätzlich müssen wir bedenken, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung rechtens sein muss.“ Denn auch für eine Begrenzung auf 30 Stundenkilometer müssen bestimmte Vorgaben erfüllt sein. So muss es sich bei der Straße um die direkte Zuwegung zur Schule oder zum Schulparkplatz handeln oder sie muss in einem Wohngebiet liegen. Die Hochstraße ist eine innerörtliche Hauptverkehrsstraße, die nicht direkt an der Grundschule liegt. Gern wird in diesem Zusammenhang ein Vergleich zur Engelader Straße oder der Situation an der Grundschule Jahnstraße gezogen. „Beides ist nicht vergleichbar“, erklärte Petra Borchert. Eine neue Regelung schreibe vor, an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen mit direktem Zugang zu Schulen ebenfalls eine 30er-Zone einzurichten – so geschehen an der Engelader Straße. „An der Lautenthaler Straße haben wir eine deutlich höhere Querungsfrequenz, die sowohl die 30er-Zone als auch den Zebrastreifen an dieser Stelle rechtfertigt. Das ist in der Hochstraße leider nicht der Fall, wir sind an die Straßenverkehrsordnung gebunden und können als Kommune nicht einfach darüber entscheiden“, so Borchert weiter.

Um die Schulwegsituation dennoch zu verbessern, wird jetzt über andere Maßnahmen beraten: So könnten Halteverbote, die Erneuerung und Reinigung der Straßenlaternen und die Einrichtung von Sperrflächen den Kreuzungsbereich übersichtlicher machen. Der Verkehrsausschuss hat die Verwaltung damit beauftragt, entsprechende Maßnahmen auszuarbeiten.