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Viele Straßennamen im Gebiet der Stadt Seesen erinnern an bekannte Persönlichkeiten, ehemalige Nutzungen oder historische Ereignisse. Nachfolgend finden Sie Erläuterungen zu einigen dieser Straßen. Die Lage der Straßen können Sie sich im Stadtplan anzeigen lassen.

Adolph-Kolping-Straße
Der gelernte Schuhmacher Adolph Kolping (* 1813 Kerpen, 1865 Köln), seit 1845 Priester, gründete die Gesellenvereine (Grundlage des späteren Kolpingwerks zur Förderung katholischer Gesellen in religiöser, sozialer und beruflicher Hinsicht) und gestaltete sie familienmäßig aus (Kolpingfamilie, Kolpinghäuser). Kolping wurde 1991 selig gesprochen.

 An der Landesbahn
Die Straßenbezeichnung erinnert an den ehemals an dieser Stelle gelegenen Bahnhof der Braunschweigischen Landeseisenbahn. Der Bahnhof war Endpunkt der in den Jahren 1886 bis 1889 in Betrieb genommenen Bahnverbindung Braunschweig - Derneburg - Bockenem - Seesen.

 Emil-Mechau-Straße
Emil Mechau (* 1882 Seesen, 1945) hat sich mit der Konstruktion und Entwicklung von Filmprojektoren beschäftigt und sich um die Technik der Laufbildprojektoren verdient gemacht. 1908 ging er als technisch-optischer Konstrukteur zur Firma Leitz, die ihn schon bald als Betriebsleiter ihres Werkes in Rastatt einsetzte. Dort arbeitete er intensiv an der Weiterentwicklung des optischen Ausgleichs bei der Projektion von Kinofilmen. Die ruckweise Bewegung des Bildbandes bei Kinematographen vermied Mechau, indem er die Bewegung des sich mit gleichmäßiger Geschwindigkeit bewegenden Bildbandes durch optische Hilfsmittel aufhob. Der erste nach ihm benannte Projektor, den er 1911 entwickelte, wurde zwei Jahre später fabrikationsreif und gilt als einziger Projektor mit optischem Ausgleich, der sich praktisch bewährt hat. Für seine Verdienste um die Kinematographie erhielt Emil Mechau 1937 den "Grand Prix" der Pariser Weltausstellung.

 Fanny-Lewald-Straße
Fanny Lewald (* 1811 Königsberg, 1889 Dresden) war eine deutsche Schriftstellerin, die sich in besonderem Maße für die Rechte der Frauen in der Gesellschaft einsetzte.

 Fritz-Züchner-Straße
Fritz Züchner (* 1870,  1950) gründete im Jahre 1907 die "Seesener Blechwarenfabrik Fritz Züchner" mit anfangs rund 50 Beschäftigten. Die Fabrik entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Seesen, bis zum Jahre 1918 hatte sich die Zahl der Beschäftigten auf rund 1.500 erhöht. An die Geschichte der Dosenproduktion und Konservenherstellung in Seesen erinnert eine Ausstellung im Städtischen Museum.

 Jacobsonstraße
 Jacobsonplatz
Israel Jacobson (* 1768 Halberstadt, 1828 Berlin) war Landesrabbiner für den Bereich der späteren Landkreise Gandersheim und Holzminden und gründete 1801 an der heutigen Jacobsonstraße eine jüdische Freischule. Die ursprünglich rein jüdische Schule diente schon ab 1802 der gemeinsamen Erziehung von jüdischen und christlichen Kindern. Im Laufe von mehr als hundert Jahren entwickelte sich diese Schule zum Seesener Gymnasium, das den Namen des Gründers der Schule trägt. Von den Gebäuden der alten Jacobsonschule ist nur noch das 1889 errichtete Schülerheim, das Alumnat, erhalten geblieben. Heute ist dieses ansehnliche, die Innenstadt beherrschende Gebäude das Bürgerhaus der Stadt, in dem u.a. die Bücherei, das Jugendzentrum und Räume für Vereine untergebracht sind. Weitere Informationen zum Leben und Wirken von Israel Jacobson, sowie zur Geschichte der Jacobsonschule und des Bürgerhauses finden Sie hier.

 Jahnstraße
Friedrich Ludwig Jahn (* 1778 Lanz, 1852 Freyburg/Unstrut) gilt als Organisator des deutschen Turnwesens ("Turnvater Jahn"). Er legte 1811 in der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz an,  entwickelte viele Turngeräte und -übungen und schuf damit die Grundlagen zur Verbreitung der Turnkunst.

 Johann-Zincken-Straße
Johann Ludwig Carl Zincken (* 1791 Seesen, 1862 Bernburg) war ein zu seiner Zeit bedeutender Mineraloge. Er übernahm 1821 das Amt eines Direktors der anhalt-bernburgischen Berg- und Hüttenwerke. Ihm gelang die Entdeckung mehrerer neuer Minerale, von denen eines noch heute den Namen Zinckenit trägt.

 Konrad-Zuse-Straße
Der Ingenieur Konrad Zuse (* 1910  Berlin, 1995 Hünfeld) nahm 1936 die Entwicklung einer programmgesteuerten Rechenanlage auf. Im Jahre 1941 vollendete er mit dem Relaisrechner "Zuse Z3" die erste programmgesteuerte Rechenanlage der Welt und schuf damit einen Vorläufer moderner Computeranlagen.

Nelly-Sachs-Straße
Nelly Sachs (* 1891 Berlin, 1889 Stockholm) war eine deutsche Lyrikerin, die für ihr Werk 1965 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1966 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Otto-Löwe-Straße
Der Bankier Otto Löwe aus Magdeburg hatte um 1890 in der Umgebung von Rhüden nach Kali bohren lassen und stieß dabei auf ein Kalifeld, das abgebaut werden konnte. Mit Unterstützung einiger Kapitalgeber ließ er auf dem Heberg einen Schacht abteufen und im Schlörbachtal eine Kalifabrik errichten. In dem im Jahre 1896 gegründeten Kaliwerk "Carlsfund" wurde bis 1924 Kali abgebaut. Durch das wirtschaftliche und soziale Engagement von Otto Löwe erlebte der Ort Rhüden um die Jahrhundertwende einen bis dahin nicht gekannten Aufschwung.

 Spohrweg
Der Geigenvirtuose und Komponist Louis-Spohr (* 1784 Braunschweig, † 1859 Kassel) verbrachte in Seesen von 1786 bis 1796 seine Kinderjahre. Zur Erinnerung an den großen Komponisten hat die Stadt Seesen den Louis-Spohr-Preis gestiftet, der an hochbegabte Nachwuchsmusiker vergeben. Den Preis erhielten bisher Martin Spangenberg, Antje Weithaas, Daishin Kashimoto, Mahalia Kelz, Viviane Hagner, Sharon Kam und Jörg Widmann.

 Steinway-Allee
Seit der Firmengründung im Jahr 1853 revolutionierte die Firma "Steinway & Sons" mit mehr als 120 Patenten den modernen Klavierbau. Die Ursprünge des wohl renommiertesten Klavierbau-Unternehmens der Welt liegen in Seesen. Der Tischler Heinrich Engelhard Steinweg (* 1797 Wolfshagen/Harz,  † 1871 New York)  baute im Jahre 1836 in Seesen seinen ersten Flügel. Im Jahre 1850 wanderte Steinweg mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus, wo er seinen Namen in Steinway änderte. 1853 gründete er gemeinsam mit seinen Söhnen in New York das Unternehmen "Steinway & Sons", das sich später zu einem Unternehmen mit Weltruf entwickelte.
Heinrich Engelhard Steinwegs Sohn, William Steinway, blieb seiner Heimatstadt Seesen auch nach der Übersiedlung in die USA verbunden. Unter anderem stiftete er den Park im Osten der Stadt, der nach ihm benannt ist. Zum Dank für seine vielfachen Verdienste um die Stadt wurde William Steinway im Jahre 1888 die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Im Städtischen Museum erinnert eine Dauerausstellung an die Ursprünge und die Geschichte der Firma "Steinway & Sons". 

 Wilhelm-Busch-Ring  
 Wilhelm-Busch-Straße
Der Dichter, Grafiker und Maler Wilhelm Busch (* 1832 Wiedensahl, † 1908 Mechtshausen) lieferte seit 1858 für die Zeitschrift "Fliegende Blätter" zahlreiche volkstümliche humoristische Bildergeschichten mit selbst gedichteten Versen in schwungvoll-bewegtem Zeichenstil und knapper, treffender Charakterisierung. Berühmt wurden u. a. die Folgen "Max und Moritz", "Die fromme Helene" und "Hans Huckebein". Als Dichter schrieb Busch u. a. knappe Spruchgedichte von abgeklärter Lebensweisheit.
Im kleinsten Stadtteil Seesens, in Mechtshausen, hat Wilhelm Busch von 1898 bis zu seinem Tod 1908 gelebt. Auf dem Friedhof von Mechtshausen liegt er begraben. Aus seiner Mechtshäuser Zeit stammen zwar nicht seine berühmten Bildergeschichten, dafür aber viele tiefsinnige Gedichte. Wohn- und Schlafstube Wilhelm Buschs im Mechtshäuser Pfarrhaus sind jetzt ein Museum. Sie wurden so hergerichtet, wie sie zur Zeit Buschs um die Jahrhundertwende waren.