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Internationale Kampagne
„Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe”

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 30. November 2013 findet auf Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio wieder der internationale Aktionstag „Cities for life“ gegen die Todesstrafe statt. In diesem Jahr besteht diese Kampagne genau elf Jahre, seitdem sie 2002 ins Leben gerufen wurde.

Auch die Stadt Seesen unterstützt diese Kampagne.

Mittlerweile ist die Zahl der beteiligten Städte auf über 1.630 in 89 Ländern gestiegen. Auch 70 Hauptstädte haben sich der Aktion angeschlossen. In vielen größeren und kleineren Städten wird an diesem Tag ein charakteristisches Gebäude besonders angestrahlt: in Rom das Kolosseum, in Berlin der Rathausturm, in Würzburg die Festung oder in Nürnberg die Straße der Menschenrechte. Andere Städte führen besondere Aktionen durch, so wird in Leipzig 5 Minuten vor jeder vollen Stunde die Glocke im Carl-Goerdeler-Denkmal geläutet, es finden Dichterlesungen oder Konferenzen zum Thema Todesstrafe statt. Mit diesen Gesten und Veranstaltungen soll der Protest gegen die Unmenschlichkeit der Todesstrafe zum Ausdruck gebracht werden. In Deutschland ist die Zahl der beteiligten Städte in diesem Jahr auf 154 angestiegen (z.B. Berlin, Hamburg, Stuttgart, Mönchengladbach, Schwerin, Bremen, Weimar, Bielefeld, Freiburg und zahlreiche kleinere Städte wie Winnenden, das vor einigen Jahren beim Amoklauf in der Schule eine schreckliche Tragödie erlebte).
Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet. Im Dezember 2012 wurde eine solche Resolution an gleicher Stelle mit noch größerer Zustimmung (110 Ja-Stimmen und nur noch 39 Gegenstimmen) verabschiedet.
Die Kampagne konnte in letzter Zeit weitere Fortschritte verzeichnen: In den Vereinigten Staaten ist festzustellen, dass mit Illinois im Jahr 2011, mit Connecticut im April 2012 und Maryland im Mai 2013 mittlerweile 18 Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben. In den vergangenen sechs Jahren haben somit sechs Staaten der USA diese Strafe abgeschafft. In Asien hat das Parlament der Mongolei am 5. Januar 2012 das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet, und ist somit für das Land vor den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft die Verpflichtung eingegangen, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden. Dasselbe hat in Afrika Benin im Juli 2012 getan. Im Oktober 2013 hat der Jemen die Hinrichtung von Minderjährigen ausgesetzt.
Der internationale Tag „Cities for Life” ist die größte Mobilisierung für die Abschaffung der Todesstrafe auf internationaler Ebene. Sein Ziel besteht darin, einen Dialog mit der Zivilgesellschaft herzustellen und lokale Verwaltungen einzubeziehen, damit die Abschaffung der Todesstrafe und der Verzicht auf Gewalt zu einem Identitätsmerkmal der beteiligten Stadt und ihrer Bürger wird.
Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie de facto nicht mehr an, nur eine Minderheit von 51 Staaten übt diese Praxis noch aus. Im vergangenen Jahr haben allerdings nur 21 Staaten Todesurteile vollstreckt. Seit 15 Jahren führt die Gemeinschaft Sant’Egidio eine besondere Kampagne mit einem Appell für ein weltweites Moratorium durch, seitdem hat sich das Zahlenverhältnis zwischen den Ländern mit und ohne Todesstrafe umgekehrt. Auf globaler Ebene erscheint die Tendenz zur Abschaffung der Todesstrafe mittlerweile unumkehrbar. Trotzdem gibt es noch besorgniserregende Tendenzen, wie z. B. die Wiederaufnahme von Hinrichtungen in Japan, Indien und Pakistan nach einem mehrjährigen Moratorium. Daher sind Engagement und Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema weiterhin weltweit gefordert und auch diese aktuelle Kampagne von großer Bedeutung, um die öffentliche Meinung für dieses Thema zu sensibilisieren.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in über 70 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio bisher ca. 5,5 Millionen Unterschriften gesammelt. Außerdem pflegen Mitglieder von Sant’Egidio weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützen viele im persönlichen Einsatz.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx