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80 Jahre Reichspogromnacht: „Haben wir denn nicht alle einen Vater?“

Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht.
Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht.

Zum 80. Mal haben sich am Freitag die grausamen Ereignisse der Reichspogromnacht gejährt. Am Jacobson-Ehrenmal in Seesen wurde in einer Gedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. „Auch hier in Seesen auf diesem Platz ereigneten sich die furchtbaren Verbrechen“, so Bürgermeister Erik Homann. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und Juden ausgeraubt, misshandelt oder getötet. Sie galt als Freigabe der Verfolgung und Tötung von Juden.

Zunehmende Fremdenfeindlichkeit

In einer Schweigeminute gedachten Erik Homann, Patrick Kriener, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, und Stefan Bungert, Leiter des Jacobson-Gymnasiums der Opfer der Reichspogromnacht. „Wir erleben in den letzten Monaten eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit“, stellte Homann fest. „Lassen Sie uns dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Auch Patrick Kriener, Ortsvereinsvorsitzender der SPD Seesen äußerte seine Besorgnis: „Ich sage Ihnen heute ganz offen und ehrlich, dass ich Angst habe. Ich werde jederzeit dafür kämpfen, dass sich der Rechtsruck nicht ausbreitet.“ In Seesen erlebe er es täglich, dass aus Fremden Freunde werden. Auf dem Jacobson-Platz hatten sich am Nachmittag rund 70 Menschen versammelt – darunter auch einige Schülerinnen und Schüler der Oberschule.

Stefan Bungert, Leiter des Jacobson-Gymnasiums, mahnte, aus der Geschichte zu lernen. „In der Inschrift unserer Synagoge hieß es: „Haben wir denn nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns erschaffen?“ Heute können wir Anwesenden diese Frage beantworten und danach leben.“